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Torfmoose: Alternative zum Weißtorf und Chance für ehemalige Hochmoore und Klimaschutz

Weltweit einmaliger Freilandversuch auf Hochmoorgrünland startet zum Frühjahr 2011

Biomasse von Torfmoosen eignet sich aufgrund ihrer Eigenschaften als Kultursubstrat und damit als potenzieller Torf-Ersatz im Gartenbau. Mit dem Anbau von Torfmoosen könnte man zudem degradierte Hochmoor-Standorte aufwerten und Treibhausgasemissionen reduzieren. Inwieweit dieser Ansatz im großflächigen, betriebswirtschaftlichen Maßstab umsetzbar ist, soll nun ein dreijähriges Vorhaben der Universitäten Greifswald und Rostock mit zwei Praxispartnern klären.
Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) als Projektträger.

Deutschland ist europaweit der größte Verbraucher von Torf und Hersteller von Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau. Doch die Vorräte an diesem Rohstoff sind in West- und Mitteleuropa nahezu erschöpft, deshalb importiert die Branche ihn zunehmend aus Nord- und Osteuropa – was wiederum die Existenz der dortigen Hochmoore bedroht. Eine Alternative wäre die Nutzung degradierter Hochmoorflächen in Deutschland für den Anbau von Torfmoosen (Sphagnum), deren Biomasse ähnliche physikalische und chemische Eigenschaften wie Weißtorf besitzt und als Kultursubstrat für den Gartenbau geeignet ist.

Ein solcher Anbau im größeren Stil wäre ein Beitrag zum Klimaschutz, denn in herkömmlich landwirtschaftlich genutzten Mooren mineralisiert der entwässerte Torf und setzt so große Mengen an gespeichertem Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid frei. Entwässerte Moore verwandeln sich so von Kohlenstoffsenken zu Emittenten erheblicher Mengen an CO2 und Lachgas. Für den Anbau von Sphagnum hingegen würden die Standorte gezielt wiedervernässt, die Mineralisierung des Torfs und die Freisetzung von CO2 damit stark verringert. Dies ginge einher mit einer zumindest partiellen Wiederbelebung des Hochmoor-Charakters durch das Wiederansiedeln von Torfmoosen und damit von standorttypischen, teilweise seltenen Tier- und Pflanzenarten. Damit wäre die Torfmoos-Kultur eine interessante Alternative für die Landwirtschaft, da die Böden trockengelegter Moore degradieren und sich im Laufe der Zeit immer weniger als Acker oder Weideland eignen. Zusätzlich stünde mit dem Torfmoos als Kultursubstrat ein neues, nachhaltig produziertes Produkt zur Vermarktung zur Verfügung.

Im Gewächshaus und auf einer kleinen Fläche im Freiland war die Torfmoos-Anzucht im Rahmen eines 3-jährigen, ebenfalls vom BMELV geförderten Vorläufer-Projektes bereits erfolgreich. Das dort gewonnene Torfmoos-Substrat eignete sich außerdem sehr gut zur Kultivierung verschiedener Zierpflanzen, darunter Weihnachtssterne und Alpenveilchen. Nun wollen die Projektpartner die Ergebnisse auf zwei 1,5 Hektar großen Versuchsflächen im niedersächsischen Hankhauser Moor übertragen. Die Standorte sind entwässerte Hochmoorflächen, die bislang als intensives Grünland genutzt wurden.

Sollte der in diesem Umfang weltweit einmalige Feldversuch erfolgreich verlaufen, plant einer der Praxispartner eine kommerzielle Nutzung des Ansatzes.

Beteiligte Institutionen:

  • Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Koordination)
  • Universität Rostock (Treibhausgas-Bilanz)

Praxispartner:

  • Torfwerk Moorkultur Ramsloh
  • Deutsche Torfgesellschaft mbH

Nähere Informationen zum Projekt „Torfmooskultivierung auf Hochmoorgrünland“ stehen auf www.fnr.de unter den Förderkennzeichen 22022308 und 22009910 zur Verfügung.

 

Pressekontakt:

Nicole Paul
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
OT Gülzow
Hofplatz 1
18276 Gülzow-Prüzen
Tel.: +49 3843 6930-142
Fax: +49 3843 6930-220
Mail: n.paul(bei)fnr.de

 

 

Nr. 2011-05

 

Pressebilder zum Download, bitte Quelle angeben: 

Bild 1: Vorläuferversuch im kleinen Maßstab in Ramsloh/Niedersachsen. 0,12 ha, 6. Standjahr. Foto: Greta Gaudig / Uni Greifswald.
Bild 2: Freilandversuch in Ramsloh/Niedersachsen. Foto: Franziska Gahlert / Uni Greifswald.
Bild 3: Freilandversuch in Ramsloh/Niedersachsen. Foto: Matthias Krebs / Uni Greifswald.

Bild 1: Vorläuferversuch im kleinen Maßstab in Ramsloh/Niedersachsen. 0,12 ha, 6. Standjahr. Foto: Greta Gaudig / Uni Greifswald.
Bild 1: Vorläuferversuch im kleinen Maßstab in Ramsloh/Niedersachsen. 0,12 ha, 6. Standjahr. Foto: Greta Gaudig / Uni Greifswald.