Bundesprogramm Torfminderung

Gärtnern ohne Torf – 
 schütze das Klima!

Torfalternativen

Als Torfalternativen werden hauptsächlich Holzfasern, Grüngutkompost und Kokosprodukte verwendet. Vielfach sind diese Rohstoffe schon heute anteilig in gartenbaulichen Substraten enthalten und helfen, die Torfverwendung zu reduzieren. In Zukunft könnten auch andere Rohstoffe aus der Landwirtschaft und der Paludikultur (Landwirtschaft auf nassen Flächen), zum Beispiel Torfmoose, in Frage kommen. Momentan sind die Potenziale der Torfersatzstoffe noch nicht ausgeschöpft. Würden sie ausreichen, um die Torfverwendung im Gartenbau in Deutschland komplett zu ersetzen? Rein mengenmäßig schon. Dennoch ist diese Frage nicht einfach zu beantworten, da die Größe der Potenziale stark von konkurrierenden Nutzungen und der Entwicklung der Preise auf dem Reststoffmarkt abhängt. Fakt ist jedenfalls, dass es vorerst noch viel Spielraum gibt, Torf zu ersetzen, den wir nutzen sollten!

Und was die Qualität betrifft: Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass Pflanzen in vielen Fällen in torffreien Substraten – die richtige Mischung und angepasste Bewässerung und Düngung vorausgesetzt – ebenso gut wachsen wie in torfhaltigen Substraten.

Holzfasern

Holzfasern sind schon heute Bestandteil vieler Erden. Man produziert sie aus Hackschnitzeln von Fichten- und Kiefernholz. Aber auch Douglasien und andere Nadelhölzer kommen in Frage. Bäume müssen dafür nicht gefällt werden, denn man verwendet in Sägewerken anfallende Resthölzer.
Substrate mit Holzfasern haben eine höhere Luftkapazität als Torf. D.h., die Erde kann Wasser besonders gut ableiten und die Wurzeln bekommen genügend Sauerstoff. Dafür muss man aber, je nach Kultur und insbesondere bei  getopften Pflanzen, öfter gießen. Holzfaser-Substrat eignet sich deshalb gut für Kulturen, die empfindlich auf zu nasse Erde reagieren, wie zum Beispiel Lavendel. Unter anderem aufgrund dieser geringeren Wasserhaltefähigkeit werden Holzfasern mit anderen Substratausgangsstoffen gemischt.

Grüngutkompost

Kompost ist ein heimischer, erneuerbarer Rohstoff, der durch die Verrottung organischer Abfälle entsteht und wertvolle Nährstoffe und Humus enthält.

Schon heute mischen Erdenwerke Substratkomposte mit einem Anteil von 20 bis 40 Prozent in einige Torferden ein. Substratkompost ist hygienisierter, biologisch stabilisierter und ausgereifter Kompost mit begrenzten Gehalten an löslichen Pflanzennährstoffen und Salzen. Höhere Kompost-Anteile sind aufgrund tendenziell zu hoher Nährstoff- und Salzgehalte und einer zu hohen Schüttdichte, die die Wasser- und Luftkapazität begrenzt, derzeit nicht möglich. Hochwertiger Kompost hat eine hohe biologische Aktivität, d.h. er ist Träger nützlicher Mikroorganismen. Andererseits kann er auch Unkrautsamen und pflanzliche Krankheitserreger enthalten, nur Komposte mit RAL-Gütezeichen sind sicher frei davon. Das hohe Gewicht von Komposterden ist bei langen Transportwegen ein ökologischer Nachteil. In Deutschland gibt es jedoch rund 700 Kompostierungsanlagen, so dass dieser Rohstoff nahezu überall lokal verfügbar ist.

Kokosfasern und Kokosmark

Kokosfasern bilden die Umhüllung von Kokosnüssen und fallen bei deren Verarbeitung an. Kokosmark, auch bekannt als Cocopeat oder Kokostorf, besteht aus feinen Bestandteilen zwischen den Kokosfasern. Während Kokosfasern auch zu Seilen, Matten und anderen Produkten verarbeitet werden, handelt es sich bei Kokosmark um einen Reststoff, für den bislang keine weitere stoffliche Nutzung etabliert ist. Verarbeitet man diesen ohnehin anfallenden Rohstoff zu Pflanzsubstraten, ist dafür also keine zusätzliche Anbaufläche erforderlich.

Kokosfasern haben eine höhere Luftkapazität, aber eine geringere Wasserhaltefähigkeit als Torf, lassen sich im Gegensatz zu Torf nach vollständiger Austrocknung aber wiederbefeuchten. Cocopeat ähnelt bei Luftkapazität und Wasserhaltefähigkeit stärker dem Torf.

Wichtig bei Kokosprodukten ist es, diese nur aus Quellen zu akzeptieren, die bestimmte sozioökologische Standards einhalten, Stichworte sind hier u.a. „Keine Kinderarbeit“, „Gesundheitsschutz“ und „Recycling des Waschwassers“. Ökologisch nachteilig sind auch die langen Transportwege. Ansonsten sind beide Rohstoffe grundsätzlich hochwertige Torfersatzprodukte.

Torfmoose

Seit einiger Zeit untersuchen Forscher der Universität Greifswald mit Praxispartnern, ob die landwirtschaftliche Kultivierung von Torfmoosen auf ehemaligen Hochmoorflächen als Torfersatzstoff möglich ist. Sie etablierten erfolgreich mehrere Hektar Torfmoose als Dauerkultur. Für den Anbau wurden die Flächen wiedervernässt, es handelt sich damit um eine sogenannte Paludikultur („palus“ – lat. „Sumpf, Morast“). Der Begriff beschreibt die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore. Die geerntete frische Torfmoos-Biomasse eignete sich sehr gut für die Herstellung von Pflanzerden - eigentlich nicht verwunderlich, denn auch normaler Torf besteht ja aus abgestorbenen Torfmoosen. In Versuchen wurden Zierpflanzen wie Alpenveilchen und Weihnachtssterne und Gemüse wie Tomaten und Gurken erfolgreich in dem Torfmoos-Substrat kultiviert. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass die Torfmoos-Pflänzchen am besten wachsen, wenn das Wasser dauerhaft wenige Zentimeter unterhalb der Moosoberfläche steht. Mit dem hohen Wasserstand nahmen auch die klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausgasungen merklich ab, die entwässerte Moorflächen aufweisen. Mit der Zeit entwickelten die Torfmoosflächen schließlich wieder einen gewissen „Moorcharakter“ - Tier- und Pflanzenarten des Moores siedelten sich dort wieder an.

Noch sind Torfmoose für Pflanzerden nicht praxisreif und in keinem kaufbaren Substrat enthalten. Wichtigster Knackpunkt ist noch die Wirtschaftlichkeit. Damit Torfmoosflächen effizient etabliert und beerntet werden können, bedarf es noch viel Entwicklungsarbeit, u.a. gilt es, ertragreiche Torfmoostypen zu identifizieren.

Sollten sich Torfmoose als Torfersatzstoff etablieren, würden sie, im Gegensatz zu anderen Torfersatzstoffen wie Kompost oder Holzfasern, Anbauflächen „verbrauchen“. Dabei würde es sich jedoch nur um trockengelegte, ehemalige Hochmoor-Flächen handeln, deren heutige Nutzung aus Klimasicht nicht nachhaltig ist, da sie laufend CO2 emittieren. Der Flächenverbrauch für die Torfmoose geht mit einer Verbesserung der Emissionen einher und spielt insofern eine Sonderrolle.

Weitere Informationen zu Torfmoosen:

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